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Hund

Warum andere Hundehalter (oder nicht-Hundehalter) es (nicht) immer besser wissen

Jeder der einen Hund oder mehrere Hunde hat wird das kennen: man kommt mit einem anderen Hundehalter (oder auch Nicht-Hundehalter) ins Gespräch und bekommt vermeintliche Tipps, Hinweise, Infos oder sonstiges zum Thema Hunde zu hören. In so gut wie jedem Fall in einem Besserwisserischen Ton. 😉

Einige Beispiele sind z.B.:

„Hunde werden aggressiv wenn sie nie Freilauf haben!“

„Dein Hund darf dich auf gar keinen Fall anknurren! Das musst du verbieten“

„Du musst dem Hund zeigen wer das sagen hat! Auf gar keinen Fall darf der Hund etwas ohne Erlaubnis tun!“

„Ist ja klar, das sie Hasen jagt, davon hat sie auf der Straße gelebt!“

„Wofür belohnst du sie denn jetzt? Was soll sie so denn lernen?“ – Aileen war wegen Geräuschen von anderen Hunden ins Bellen verfallen in das ich hineinclickerte um sie da raus zu holen. Klappte übrigens auch. 😉

„Ich hätte ihr einmal eine reingehauen, dann wäre sie vielleicht ein paar Tage stinkig aber dann lässt sie das.“

„Guck mal, die weiß ganz genau das es hier was gibt; die tanzt dir auf der Nase herum. Du musst ihr das nächste mal zeigen, dass du entscheidest, ob sie etwas bekommt und einfach vorbeigehen.“ – Während die Frau aus dem Heimtierladen Aileen ein Leckerchen in den Mund schiebt….

„Ihr Hund darf auf gar keinen Fall länger auf dem kalten Boden liegen bleiben, der bekommt eine Blasenentzündung!“ „Aber sie hat sich selbst hingelegt!“ „Dann lassen sie das nicht zu, die merken das nicht, dass es zu kalt ist!“ – danke für den Hinweis, aber ich war gerade soooo stolz, das Aileen ruhig lag, anstatt brüllend in der Leine zu hängen.

„Du musst schneller werden! Wenn sie das macht musst du SOFORT reagieren und zwei Finger in die Seite/den Hintern stoßen! Dann lässt sie das ganz schnell bleiben.“

Und so weiter und so fort. Ich denke alle kennen dieses und ähnliches. Besonders die Hundehalter mit unsicheren, ängstlichen oder auch nur sensiblen Hunden können sich vielleicht vorstellen, was der ein oder andere Tipp bei ihrem Hund auslösen würde. 😉

Die Angst vorm Hundekotbeutel-Mülleimer

Ich erinnere mich noch gut an eine Sache: Als Aileen noch nicht lange bei mir war und wir bei meiner Arbeit spazieren gingen und sie, wie das halt so ist, einen Haufen machte. Ein Glück dachte ich, hier ist ein Tierarzt und es gibt einen Hundekotbeutelspender samt Mülleimer! Ich tat also was getan werden musste, sammelte den Haufen ein, hob den Deckel vom Mülleimer und ließ ihn zufallen. Tja, vielleicht kann man es sich schon denken: Aileen hat sich tierisch erschrocken und lief schnell, mit zwischen den Beinen eingeklemmten Schwanz, weiter. Das nächste mal als wir an diesem Mülleimer vorbei wollten hatte ich einen Hund an der Leine, der keinen Schritt weiter gehen wollte. Ich habe dann angefangen jeden Schritt zu clickern, sie belohnt, ihr Zeit gelassen und so weiter.

Heute geht sie glücklicherweise ganz entspannt an dem Mülleimer vorbei; aber wehe ich will einen Hundekotbeutel hineinwerfen! Selbst wenn ich das Ding fast geräuschlos schließe (ich strenge mich echt an!), ist Aileen deutlich angespannt und will schnell weiter.

Oder: Als ich Aileen anleinen/ableinen wollte und mir der Jutebeutel, den ich mir über die Schulter gehängt hatte, nach vorne auf den Hund zu rutschte, sie sah ihn und sprang total verängstigt/erschreckt zur Seite. Und nun? Jedes mal wenn ich einen Jutebeutel über der Schulter hängen habe nimmt Aileen vorsichtshalber genug Abstand.

Was ich damit sagen will, nicht jeder Tipp ist für jeden Hund geeignet und kann schnell zu Problemen im Alltag führen.

Hund rennt über Wiese

Rennen macht Spaß!

Die schlechteste Hundehalter(in) von allen?

Davon abgesehen bin ich sowieso der schlechteste Hundehalterin von allen: Ich bin nicht dominant (gehe nicht als erstes durch die Tür, lasse den Hund liegen wo er will…), ich sehe mich nicht als Rudelführer (Hallooo? Wir sind ein Team!) und ich kann keinem Lebewesen was zu Leide tun. Weder einem Menschen noch einem Tier. Weder einen leichten Klaps oder sonst irgendwas. Ich KANN das NICHT. Und: Ich will das auch nicht können! Es gibt immer andere Wege die Dinge zu klären und die Probleme zu lösen. Das ist unter Menschen nicht anders, als in der Hundeerziehung.

Hauptsache lernwillig

Klar, weiß jeder es besser als man selbst und sicherlich gibt es auch Momente in denen ich den Klugscheißer raushängen lasse (aber ich habe auch nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen!). Allerdings wird man schon manchmal komisch angeschaut, wenn man sagt, das die eigene Hündin zickig reagieren könnte, wenn der andere Hund jetzt zu Nahe kommt und man versucht mit der Hündin Abstand zu gewinnen und ins nächste Gebüsch krabbelt. 😉 Da muss meine Erziehung gescheitert sein, wenn Hundebegegnungen nicht problemlos klappen… verdammt!

Aileen denkt oft eben auch: „Das könnte gefährlich sein – erstmal verjagen mit Gebrüll, dann gucken was es ist.“ So habe ich es schon oft erlebt, dass die Mülltüten im dunklen erstmal angeknurrt und angebellt wurden bis sie sich als ungefährlich entpuppten. Auch Menschen im dunklen sind unheimlich, meint ihr nicht auch? 😉

Natürlich darf man gerne Tipps äußern, inwiefern die dann angenommen werden ist eine ganz andere Geschichte. Und vor allem kommt es auf den Hund an: der Hundehalter kennt seinen Hund am besten (sollte er jedenfalls) und nur er weiß, wie und warum der Hund reagiert wie er eben reagiert. Vielleicht hat er was blödes erlebt oder einfach nur mal einen schlechten Tag? 😉 Und im besten Fall arbeitet der Hundehalter bereits an einer Lösung.

Leider gibt es genug Fälle in denen der Hundehalter keine Ahnung von seinem Hund und Hunde im Allgemeinen hat. Auch ich bin keine Expertin und stehe oft stirnrunzelnd neben meinem Hund – aber ich bin lernwillig!

Hund rennt über Maisfeld

Wird ein Hund ohne Freilauf aggressiv?

Am Ende ist nur wichtig den Alltag gut gemeinsam zu bestehen

Und sind wir mal ganz ehrlich: Wer könnte uns am besten sagen was „richtig“ ist oder am besten „funktioniert“? Wer dürfte alles besser wissen als wir Menschen? Der Hund! Alles was wir anstellen sind nur Vermutungen und vielleicht lachen sich die Hunde insgeheim über uns zu Tode.

Jeder Mensch wird am Ende die Methode wählen, die er selbst am logischsten findet und mit der er gut zurecht kommt. Wir sollten bei Tipps auf unser Bauchgefühl hören und nicht glauben, dass es garantiert der einzig richtige Weg ist. Wir können nur schauen, das wir zusammen mit unseren Hunden den Alltag gut bestehen, die anderen können wir vermutlich sowieso nicht ändern.

Wer wissen will wie man Hundehalter noch ärgern kann, dem empfehle ich 10 Fragen, die man Hundehaltern nicht stellt. 😉

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2 Comments

  • Reply FrauVela

    Hallo Ihr lieben, ein sehr schöner Artikel! Und wenn die die Aussagen von anderen Lese kommt es mir echt hoch, so ein Blödsinn! Grade bei Hunden wie deinem Herzblatt ist Dominanz auch gerne mal an der ganz falschen Stelle, ich sehe mich und Vela auch als Team. Dominanz mag Sie gar nicht. Ich finde es super was du schreibst, Gewalt sollte nie nie nie nie ein Thema sein! Ich finde es super, dass du dich vor allen auf deine Aileen einstellst und nicht auf das, was andere sagen, denn unsere Leser können meinen Satz bestimmt schon nicht mehr hören.. jeder Hund ist anderes… Das mit dem vorpreschen und erstmal rumbrüllen und dann schauen was passiert, kenn ich allerdings eins zu eins von meiner Spanischen Flamme haha.
    Liebe grüße Anke und Vela

    21. Juli 2017 at 7:16
    • Reply Johanna

      Hallo und vielen Dank für Euren Besuch!
      Leider erlebt man diese Dinge viel zu häufig. 🙁 Das macht mich immer traurig. Ich habe aber auch meist keine Lust zu diskutieren, weil man damit selten weit kommt, wenn die Menschen so überzeugt sind von dem was sie tun.
      Ach, gewisse Dinge machen mit Sicherheit so einige Hunde. 🙂
      Liebe Grüße

      21. Juli 2017 at 17:15

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