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Kastration Hündin – ja oder nein?

Hund steht auf Weg

Was ist eine Kastration bei einer Hündin und ist sie ohne Grund erlaubt?

Einer der häufigsten Eingriffe bei Hündinnen ist eine Kastration. Die Kastration soll die Fortpflanzung verhindern, wird aber auch zur Vorbeugung von Krankheiten (z.B. Krebs) durchgeführt. Bei einer Kastration werden die Eierstöcke und ggf. auch die Gebärmutter entfernt.

Nach § 6 Tierschutzgesetz ist eine Kastration nicht ohne tierärztliche Indikation zulässig. Meine Tierärztin hat allerdings sofort auch eine Kastration angeboten/vorgeschlagen ohne näher auf die Vor- und Nachteile einzugehen.

Ein schöner Artikel mit hilfreichen Links und leckerem Hundekeksrezept gibt es auch im Hundebloghaus

Unterschiedliche Meinungen im Netz:

Hier könnt Ihr die Vor- und Nachteile nachlesen

Und auch hier wird darüber abgewägt 

Ein etwas kritischerer Blick

Hund vor Feld guckt zur Seite

Kastration bei Straßenhunden aus dem Ausland

Ganz zu Anfang als Aileen einzog dachte ich sie wäre kastriert, weil der Verein sie kastriert vermittelte. Es ist ja auch durchaus üblich, dass Hunde die von der Straße oder aus Tötungsstationen gerettet wurden, kastriert werden wenn sie alt genug sind. Wie sich dann schnell herausstellte war die Kastration, falls sie denn wirklich stattfand nicht erfolgreich verlaufen. Denn Aileen wurde läufig, da war sie gerade mal 1-2 Monate bei mir. Für mich stand sofort fest, möglichst schnell kastrieren.

Woher kommt das Blut? Ein nicht ganz so aufschlussreicher Tierarztbesuch

Als sie anfing zu bluten war ich natürlich total überrascht und machte mir Sorgen, denn eine Läufigkeit konnte es ja nicht sein oder? Also ab zum Tierarzt und das checken lassen. Die Tierärztin konnte mir nicht viel sagen. Sie fand nichts, konnte eine Läufigkeit nicht ausschließen aber auch noch nicht bestätigen. Erstmal sollte ich die Blutung beobachten und falls noch etwas ist wieder kommen. Sie erzählte mir aber auch, dass es passieren kann, dass ein Tierarzt während der Kastration eine Hündin nicht komplett „ausräumt“ und z.B. ein Eierstock vergessen wird. Das kann jedem Tierarzt passieren, aber gerade wenn es Massen-Kastrationen sind wie im Ausland kommt es wohl häufiger vor. Und das reicht meistens schon, damit eine Hündin wieder läufig wird.

Auch ob Aileen bereits wirklich kastriert wurde konnte sie mir so nicht sagen, nur vermuten. Das würde man, falls es sich um eine Läufigkeit handelte, bei einer Kastration feststellen können. Ich meine Aileen hat eine Narbe am Bauch, aber so 100%ig sicher bin ich mir da nicht.

Eine ehemalige Kollegin erzählte mir noch von einer speziellen Art von Krebs beim Hund, der ebensolche Blutungen auslösen konnte. Das machte sie gerade selbst durch. Auch darauf sprach ich meine Tierärztin an, aber da konnte sie mich beruhigen.

Und ja Aileen wurde/war läufig. Spätestens als die ersten Rüden jammerten und die Nase nicht von ihr lassen konnten war es klar. Sie tat mir richtig Leid, denn zu der neuen Umgebung in der sie nun war und die sie noch stresste, kam nun auch neben der Läufigkeit die Sommerhitze. Es war so warm draußen und im Büro, so dass Aileen kaum etwas fraß und fast nur schlief.

Hund rennt auf Hand mit Leckerei

Ist eine Kastration wirklich der richtige Weg?

Wäre Aileen kastriert bei mir eingezogen hätte ich das sicher nie in Frage gestellt! Da aber eine Kastration einer Hündin eben auch nicht so günstig ist (ca. 200-400 Euro, auf diese Kosten war ich nicht vorbereitet) und Aileen noch gar nicht richtig angekommen war wollte ich erst mal abwarten. Wie verhält sie sich bei der Läufigkeit, wenn sie schon länger bei mir ist, wenn sie sich besser eingelebt hat? Wie oft wird sie läufig? Leidet sie unter einer Scheinschwangerschaft? Und, und und…

Das Risiko für Aileen an Entzündungen der Gebärmutter oder Mammatumoren, also Krebsgeschwüren an den Brustleisten zu Erkranken könnte ich, laut Studien, mit dieser „späten“ Kastration auch nicht mehr senken, welches oft als Argument für eine Kastration genommen wird. Angeblich wird dort sowieso mit „falschen“ Zahlen um sich geworfen. Das Für und Wieder einer Kastration wird an vielen Stellen diskutiert und zu einem richtigen Schluss bin ich dabei für mich nie (bis jetzt nicht) gekommen.

Man liest davon, dass viele Hündinnen die kastriert werden im Alter inkontinent werden, dass sie wegen der fehlenden Hormone zunehmen, wenn man das Futter nicht umstellt. Es kann sein, dass sie aufgrund der fehlenden Östrogene aggressiv(er) gegen andere Hündinnen werden oder aber friedlicher. Auch heißt es, dass langhaarige Hündinnen ein sogenanntes Welpenfell (oder Babyfell) bekommen können. Als Vorteile gelten unter anderem, dass die Wahrscheinlichkeit bestimmte Arten von Krebs zu entwickeln sich reduziert, dass die Hündin nicht mehr unter Scheinschwangerschaften leidet und das man eben nicht aufpassen muss, wenn man Rüden trifft. Es also unser leben (das vom Menschen) leichter macht.

Soll ich oder soll ich nicht?

Inzwischen weiß ich: alle 7-8 Monate wird Aileen läufig. Einen Monat vorher kann ich an ihrem Verhalten schon bemerken, dass es bald soweit ist. Sie blutet wirklich stark und das mindestens zwei Wochen, bevor sie heiß wird. Sie verhält sich launischer als sonst, ist schneller gestresst und sie schläft mehr. Und auch einen Monat danach benimmt sie sich noch anders, leidet aber nicht unter einer Scheinträchtgkeit. Wir können natürlich zeitweise nicht in die Hundeschule und auch toben fällt mit Rüden aus. 😉 Bei der letzten Läufigkeit musste ich Abends zum Gassigehen ins nächste Dorf, weil wir bei uns im Dorf einen Rüden hatten, der immer ausgebüxt ist und uns verfolgt hat. Sicher, dass ist alles nicht leicht – aber alle 7-8 Monate ist das auch kein Weltuntergang. Ab und an braucht es starke Nerven.

Inzwischen bin ich ganz und gar nicht mehr sicher, ob ich Aileen wirklich kastrieren lassen will. In etwas „natürliches“ eingreifen widerstrebt mir. Schließlich fehlen dann die Hormone, der Charakter kann sich ändern. Ja, er „kann“ sich ändern, dass muss natürlich nicht passieren. Vielleicht würde auch gar nichts passieren.

Soll ich meinen Hund kastrieren nur damit es für mich leichter ist? Damit ich alle 7-8 Monate das Blut nicht hinter ihr aufwischen muss? Damit ich nicht Hundeschule, Hundeplätze meiden muss?  Nur damit Aileen 3-4 Wochen nicht auf Rüden verzichten muss? Soll ich sie kastrieren, weil die Rüden im Dorf leiden, wenn sie läufig ist? Ohne gesundheitliche Gründe?

Wie ist das bei Euch? Sind Eure Hündinnen kastriert? Wann wurden sie kastriert? Was spricht für eine Kastration? Was dagegen? Welche Argumente haben Euch überzeugt? Was hält Euch von einer Kastration ab?

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4 Comments

  • Reply Isabella mit Damon und Cara

    Hallo Johanna,

    ich kann nur aus ganz persönlicher Erfahrung sprechen. Unsere ersten beiden Hündinnen waren nicht kastriert und wir hatten damit auch nie Probleme. Lady und auch Laika waren nie scheinträchtig, hatten nie Gebärmutterprobleme oder ähnliches. Wobei ich zugeben muss, in höherem Alter wurde Lady inkontinent – aber ob das nach einer Kastration anders gewesen wäre wage ich zu bezweifeln.
    Cara jetzt haben wir schon kastriert übernommen … viel zu früh kastriert. Es hat lange gedauert, bis sie ihre Blase wirklich im Griff hatte und auch heute noch führt eine leichte Verkühlung sofort bei ihr zu einer Blasenentzündung. Da sie sehr früh kastriert wurde (mit knapp 4 Monaten) haben wir einige Unterschiede zu unseren anderen Hündinnen bemerkt – ein Teil vielleicht einfach durch ihre Art und auch den Rassen-Mix bedingt, ein Teil sicher die fehlende körperliche Entwicklung.

    Bei uns wurden und werden Hunde wirklich nur aus medizinscher Indikation kastriert – und wir hätten Cara nicht kastrieren lassen.

    Ich bin gespannt, wie Du Dich entscheidest.
    Liebe Grüße,

    Isabella mit Damon und Cara

    28. Juli 2017 at 9:52
    • Reply Johanna

      Danke für Deine Gedanken zu dem Thema. Gerade die persönlichen Erfahrungen interessieren mich auch sehr, da es ja noch einmal eine ganz andere Sicht darauf wirft. 🙂 Aktuelle tendiere ich dazu Aileen nicht kastrieren zu lassen. Auch wenn es immer wieder Menschen gibt, die mir das „ans Herz legen“ wollen.
      Liebe Grüße

      28. Juli 2017 at 13:26
  • Reply The Pell-Mell Pack

    Hallo Johanna,
    da wirfst du spannende Gedanken auf.
    Meine Hündinnen waren/sind alle kastriert. Bei unseren ersten Hündinnen vor über 20 Jahren war das einfach so üblich, ohne es zu hinterfragen. Später hatte ich fast nur noch 2nd chance Hunde, die bereits kastriert waren.
    Ich musste diese Entscheidung also noch nie für eine Hündin selbst fällen.
    Generell würde ich dir folgen, es stützt unsere Faulheit. Daher würde ich mich vermutlich gegen eine Kastration entscheiden.
    Es sei denn, es gibt zwingende medizinische oder psychologische Gründe.
    So war es zum Beispiel bei Enki, den ich als Rüden kastrieren ließ. Er hatte einen extrem hohen Sexualtrieb, dazu gehört natürlich auch, dass er nicht mehr aufnahmefähig war, nur noch Stress hatte, usw. Aber der ausschlaggebende Grund bei Enki war, dass seine Prostata ebenfalls schon Monate vor der Kastration dauerhaft vergrößert war und er nicht mehr richtig Wasser lassen konnte. Am Ende kam es nur noch tropfenweise, er stand fast 30 Minuten auf einer Stelle um einmal die Blase zu leeren. Nach Gesprächen mit zwei Tierärzten (Haustierarzt und Klinik) haben wir uns dann für eine zeitnahe Kastration entschieden und bereuen es nicht.
    Ach ja, Nachteile Hündin: Lunas Unterwolle wuchert so sehr, wie ich es noch nie bei einem Hund erlebt habe. Die Fellpflege ist extrem zeitaufwendig und anstengend. Laut Vorbesitzern soll dieses Wuchern der Unterwolle nach der Kastration begonnen haben.

    Ich denke, wenn du sie kastrieren lassen willst, solltest du 100% überzeugt sein und vernünftige medizinische Gründe haben. Sonst wird vermutlich immer dieses nagende Stimmchen im Hinterkopf bleiben, dass dich fragt, ob es denn richtig war.

    Herzliche Grüße
    Stephie mit Enki und Luna

    28. Juli 2017 at 11:25
    • Reply Johanna

      Danke für Deine Gedanken! Wenn Aileen (richtig) kastriert wäre, dann hätte ich mit dem Thema noch überhaupt nicht befasst. Inzwischen bin ich von Kastrationen ohne Grund nicht mehr überzeugt.
      Ich habe leider schon den ein oder anderen Rüden erlebt, der sehr gestresst war. Das tut mir auch immer total Leid. Eine Nachbarin fragte mich sogar etwas vorwurfsvoll ob ich Welpen wollte, denn sonst könnte ich sie kastrieren, damit ihr Rüde nicht so leidet.
      Ich will eigentlich auch gar nicht dass Aileen sich verändert, wie auch immer. Dann ertrag ich lieber für eine Weile ihre Launen. Aktuell spricht für mich auch mehr gegen eine Kastration.
      Liebe Grüße 🙂

      28. Juli 2017 at 13:35

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